 |
|
 |
|
Hair hat ja jetzt gerade wieder angefangen. Hattest du einen erholsamen Sommer?
Ich hatte einen sehr erholsamen Sommer, fast schon zu erholsam. Nachdem ich erstmal eine Deutschlandrundreise hinter mich gebracht habe (Essen, Düsseldorf, Tecklenburg, Hamburg, Kiel, Berlin, Mannheim, Heidelberg), bei der ich alle meine Freunde besucht habe, war ich energetisch schon so aufgetankt, dass ich eigentlich schon wieder zu arbeiten hätte anfangen können. Doch ich hatte mir ja dieses Jahr einen ersten richtigen Urlaub versprochen. Nach einem Kurzbesuch in Amstetten(Premiere Moby Dick), bin ich also für 10 Tage nach Fuerteventura geflogen und habe Sonne, Strand und Meer im Übermaß genossen.
Wie ist es nach einer so langen Pause wieder zu spielen?
Wie bereits erwähnt, hat mir die Arbeit schon nach kurzer Zeit gefehlt. Aber das ist wohl bei allen Workaholics ein ähnliches Erscheinungsbild. So bedurfte es keiner großen Überwindung wieder zu spielen, ich hab mich richtig darauf gefreut.
Verändert sich ein Stück nach sechs Wochen, oder deine Einstellung dazu?
Das Stück hat sich in sofern verändert, dass einige Szenen, bzw. Dialogteile wieder in das Stück eingebaut wurden, was meiner Meinung nach eine positive Veränderung ist. Meine Einstellung zum Stück hat sich nur dadurch etwas verändert, dass ich vor ein paar Wochen die Chance bekam, durch einen sogenannten Showwatch die Show mal von der Zuschauerperspektive anzusehen. Viele Szenen und Schauspielmomente meiner Kollegen bzw. sehe ich in einem ganz anderen Licht.
Wie wirkt sich der Weg- bzw. Zugang von Kollegen auf die Moral bzw. das Stück aus?
Bislang hat uns ja nur Diane Hamill verlassen. Ich glaube, dass jeder ganz individuell mit dem Weggang eines Kollegen umgeht. Das hängt sehr mit dem privaten Kontakt zusammen, den man mit der betreffenden Person pflegt und natürlich, wie intensiv die Zusammenarbeit während der Show ist. Natürlich vermisst man ein Gesicht, wenn es plötzlich nicht mehr da ist.
Durch den Zugang unserer zusätzlichen Swings und hat sich im Großen und Ganzen nichts Elementares verändert, außer dass ich mich persönlich natürlich riesig gefreut habe mit Nina Weiß wieder spielen zu dürfen, die ich fest in mein Herz geschlossen habe. Die "Familie" ist größer geworden, und ein Neuzugang befürworte ich immer, weil dadurch neuer Schwung und Energie in die Show gebracht werden. Interessant wird es im Januar werden, wenn gleich 6 Personen die Show verlassen werden. Das traurige Lebewohl gehört zu unserem Beruf ja dazu, man sieht sich aber zum Glück immer mal wieder. Auf die neuen Kollegen bin ich sehr gespannt.
Als Hair geschrieben wurde, war das Bestreben der Autoren auf die Problematik wie Drogen und Krieg hinzuweisen. Leider sind diese Themen nach wie vor aktuell. Glaubst du, dass das Stück heute zum Nach- bzw. Umdenken anregt? Wie wirkte sich der Terroranschlag in den Staaten auf euch und auf das Spielen des Stückes aus?
Ich glaube, wir, das Ensemble haben seit dem 11.September einen neuen Zugang zur Show gefunden. Am Tag der Terroranschläge in den USA war uns allen nicht nach Spielen zumute. Durch diese grausamen Geschehnisse wird einem von neuem bewusst, mit wie viel Grausamkeit und Gewalt auf dieser Welt agiert wird. Ich erinnere mich, dass ich bereits in der Anfangsprobenzeit von HAIR mit meinen Emotionen, die durch das Stück geweckt wurden, zu kämpfen hatte. Doch wie mit den meisten Dingen im Leben, die man regelmäßig, bzw. irgendwann routinemäßig durchführt, findet man einen Weg, damit leichtfertiger umzugehen, wobei bestimmt etliche Dinge in Vergessenheit geraten. Durch den 11.September sind meine Augen neu geöffnet worden, und die Wichtigkeit der Message unserer Show, nämlich Frieden und Gewaltlosigkeit auf Erden, Toleranz und Nächstenliebe, in den Sinn zurückgekommen. Ich glaube, daß gerade jetzt unsere Show zum Nachdenken anregt, wobei die Drogen aufgrund der aktuellen Geschehnisse wohl nicht so sehr im Vordergrund stehen.
Gibt es für dich eine Lieblingsszene bzw. ein Lieblingslied bei "HAIR"?
Eine Lieblingsszene habe ich, glaube ich, nicht, was das Lieblingslied angeht, ist es wohl das Lied, was man aus der Show genommen hat, aber noch auf der "HAIR"-CD finden kann: "DEAD END". Und natürlich "What a piece of work is man".
Man hat ja schon öfter gehört, dass die Atmosphäre bei den Schauspielern von "HAIR" untereinander sehr gut sein soll. Wie empfindest du es?
Ich empfinde das Arbeitsklima als sehr angenehm. Ich habe das Gefühl, das man sich gegenseitig akzeptiert, und das ist ja wohl das Wichtigste. Man muss nicht die dicksten Freundschaften haben, um miteinander arbeiten zu können. Solange man sich gegenseitig keine Steine in den Weg legt, ist die Welt in Ordnung.
Haben deine Proben für Margaret Mead schon angefangen? Wie ist es diese Rolle zu spielen, und was reizt dich an ihr?
Meine Proben sind vorerst schon abgeschlossen. Mein Put-in (ein Showdurchlauf mit dem ganzen Ensemble, nur der neu eingesetzte Darsteller ist in Kostüm und Maske) war am 13.9., und es hat sehr viel Spaß gemacht. Für mich persönlich fühlt es sich um einiges leichter an diese Rolle zu covern, leichter als Hud und Woof, weil man wirklich ganz weit von seiner eigenen Person weggeht und sozusagen in eine andere Haut schlüpft. Es macht soviel Spaß mal jemand ganz anderes zu sein, und zudem bin ich ja seit ´Simeon´ immer für Comedy zu haben. Leider wurde meine Premiere aus mir verständlichen hausinternen Gründen erstmal auf Dezember verschoben. Ich kann es kaum erwarten.
Was ist für Dich an Deinem Beruf besonders anstrengend/ was besonders erfreulich?
Besonders anstrengend ist es, wenn man einen seiner müden Tage hat, und trotzdem kein Weg daran vorbei führt, abends auf die Bühne zu müssen. Außerdem können wir es uns in unserem Beruf nicht erlauben, eine Trainingspause einzulegen, d.h. wir müssen regelmäßig unseren Körper durch Tanztraining und unsere Stimme durch Gesangsunterricht fithalten, zusätzlich zur allabendlichen Anstrengung während einer Show.
Das erfreuliche an diesem Beruf ist, dass man die Möglichkeit hat in viele verschiedene Figuren zu schlüpfen, vieles was im Alltag nicht möglich ist ausprobieren bzw. ausleben kann, dass man wichtige Messages weitergeben kann, die durch die Musik oder eine gelungene Inszenierung den Weg zum Herzen des Zuschauers finden. Es freut mich so sehr, wenn mich Zuschauer nach einer Show ansprechen und sagen: "Das hat mich so sehr berührt." Wir Künstler geben den Zuschauern im Theater die Möglichkeit Freude, Liebe, Trauer, Furcht oder Hoffnung in einer sicheren Umgebung zu empfinden, durch das, was wir auf der Bühne darstellen.
Wenn man einige Zeit ein Stück spielt, wird es dann zur Routine oder ist es Tag für Tag wieder eine Herausforderung?
Diese Frage wurde uns Darstellern schon oft während "JOSEPH" gestellt. Ehrlich gesagt, fällt es mir leichter eine Doppelshow "HAIR" zu spielen. Während man bei "JOSEPH" wirklich mit seiner Kondition zu kämpfen hatte, und man die zweite Show nicht ohne Red Bull durchstand, muss man bei "HAIR" aufpassen, dass man während der ersten Show nicht zu leichtfertig mit seiner Stimme umgeht und anstatt 150% vielleicht dann doch lieber nur 130% gibt, bevor man total abgesungen ist. Das macht die Show um kein Grad schlechter, wir gehen nur bewusster mit unserem "Material" um.
Was magst Du besonders bei "HAIR", was bei "JOSEPH"?
Nun, dies kann eine sehr umfassende Antwort sein, wenn man die Frage nicht konkret eingrenzt. Hair und Joseph kann man überhaupt nicht miteinander vergleichen. Es sind zwei völlig unterschiedliche Musicals unterschiedlicher Stilistik und Thematik, wobei mir der Musikstil bei Hair um einiges besser gefällt. Trotzdem werde ich wohl lieber beide Stücke getrennt bewerten:
JOSEPH HAIR
Show dauert nicht lange Tolle Musik
Durchgehende Handlung Körperlich nicht zu anstrengend
Viele Tanzstile Freiheitsgefühl auf Bühne
Fun-Energyshow Wichtige message
Hat sich dein Leben bzw. hast du dich verändert seit dein Bekanntheitsgrad gestiegen ist?
Ehrlich gesagt, bin ich mir gerade nicht bewusst, wie groß mein Bekanntheitsgrad ist. Wenn ich es an der steigenden Anzahl der Infoservicemitglieder messe, dann freut mich es natürlich sehr, wenn ich den Zuwachs betrachte. Im Grunde genommen hat sich mein Leben aber nicht verändert. Ich hoffe sogar, dass ich immer noch der Alte geblieben und nicht abgehoben bin, was mir meine Freunde in Deutschland oft bestätigen.
Womit kann man dir eine Freude machen?
Ich freu mich über die kleinen Dinge des Lebens, dazu bedarf es keiner Geschenke. Wenn ich in einer Freundschaft vertrauen kann und mir das gleiche entgegengebracht wird, wenn man einen Menschen trifft, mit dem ein Geben und Nehmen funktioniert, wenn man sich aufeinander verlassen kann, dann ist dies etwas, was mir die größte Freude bereitet. Generell kann ich sagen, dass man mir mit Ehrlichkeit eine Freude machen kann.
Wie gehst du mit dem herumreisen bzw. der Trennung von Freunden und Familie um?
Inzwischen habe ich mich schon recht daran gewöhnt von meiner Familie und meinen Freunden getrennt zusein. Dank der tollen Erfindung des Telefons ist es ja möglich, ihnen ganz nahe zu sein, und wenn es die Zeit und das Geld erlauben, besucht man sich gegenseitig, wie ich es jetzt im Sommer gemacht habe. Die Phasen des "O-Gott-ich-fühl-mich-ja-so-einsam-in-Wien-ohne-meine-Freunde" gibt es zum Glück nicht mehr, erstens, weil man hier inzwischen auch Freundschaften geknüpft hat und zweitens, weil ich mich, wie gesagt, schon an den Umstand, dass meine Liebsten nicht da sind, gewöhnt habe.
Siehst du dich selber als Tänzer, Sänger oder Schauspieler?
Das ist keine einfache Frage, vor allem deswegen, weil sich diese Selbsteinschätzung ständig ändert, je nachdem welche Entwicklung oder künstlerische Herausforderung man gerade durchmacht. Zurzeit würde ich folgende Aufzählung vorziehen: 1.Sänger, 2.Schauspieler und 3.Tänzer. Eben deswegen, weil ich momentan in der "HAIR"-Produktion mehr als Sänger eingesetzt werde, der schauspielerisch in total unterschiedliche Rollen schlüpfen muss. Als Zukunftswunsch hoffe ich, dass ich nie für eine Produktion eingesetzt werde, wo z.B. nur mein tänzerisches Können gefragt ist. Das würde mir, glaube ich nicht viel Spaß machen. Dafür liebe ich die anderen Kunstrichtungen zu sehr. Mindestens zwei Sparten sollten schon vertreten sein.
Hast du vor deine Funktion als Tanzlehrer weiterhin zu verfolgen und vielleicht zu vertiefen?
Ich habe schon während meines Studiums viel Unterricht gegeben, habe aber damit mit dem Umzug nach Wien und dem professionellen Berufseinstieg total aufgehört. Bei dem Jazzdance-Workshop vor dem Sommer, habe ich gemerkt, wie sehr mir das Unterrichten fehlt, und wie viel Spaß es mir macht. Ich hoffe in Zukunft weitere Möglichkeiten zu erhalten meine Tanzerfahrung an andere weitergeben zu können und warte ab, was sich auf diesem Gebiet noch tun wird. Wenn die Nachfrage groß genug ist, wird im Herbst vielleicht ein Anfänger-Steptanzworkshop stattfinden, was dann vielleicht auch für einige Infoservice-Mitglieder interessant ist, da ich einen Fan- Anfänger-Workshop plane.
Wie wichtig sind dir Fans bzw. dein IS?
Nun, es gibt wohl Fans und Fans. Mit den einen komme ich sehr gut zurecht, und nehme mir von daher auch gerne Zeit für sie, was auch mit der Grund für die Gründung meines Fanclubs war. Die anderen können, wenn man selbst auch schon etwas müde ist, etwas anstrengend sein, wenn sie am Bühnentürl stehen, wie Wahnsinnige agieren, indem sie dir lauthals ins Ohr schreien, wie toll es doch war und sich dann auf dich werfen, um einerseits dem Künstler nahe zu sein, und um ein Foto zu machen, wenn du selbst eigentlich gar nicht in der Stimmung bist und am liebsten nach Hause ins Bett möchtest. Natürlich verstehe ich, wenn jemand nach dem Theaterbesuch total euphorisch ist und gehe damit kulant um, doch insgeheim lobe ich mir wirklich meine treuen Pappenheimer, die inzwischen ein gutes Gespür dafür haben, wann der Moment für ein Gespräch günstig ist. Natürlich gehören die Fans aller Art für mich zum Job, nur darf man nicht vergessen, dass dies der freiwillige Part des Künstlers ist, der nicht Bestandteil seines Vertrages ist, d.h. man sollte uns nicht immer auf Freundlichkeit und Zeit für die Fans festnageln.
Weißt du schon was dir die Zukunft bringen wird bzw. was erhoffst oder erwartest du dir?
Leider weiß ich noch nicht, was die Zukunft bringen wird, aber das gehört ja zu unserem Beruf dazu. Für die Folgeproduktionen werde ich mich bewerben, weil ich unbedingt in Wien bleiben möchte, doch was daraus wird, muss man abwarten.
Abgesehen von den Musicalproduktionen, die ich natürlich weiterverfolgen werde, möchte ich mich aber auch gerne im Bereich Film/Fernsehen versuchen, was in Österreich für mich als Ausländer nicht ganz einfach sein wird. Wahrscheinlich müsste ich hierfür nach Deutschland gehen, was ich gerade nicht will, und am Besten wäre es wohl, wenn ich dann nicht in einer Long-run-Produktion stecke.
Wenn nichts dazwischen kommt, werde ich wohl nächsten Sommer versuchen wieder in Amstetten zu arbeiten, und wenn es wirklich stattfinden sollte, habe ich wohl dann die Möglichkeit "FAME" in Klagenfurt zu spielen. Doch warten wir mal ab, was sich noch alles auftun wird.
Gibt es noch etwas das du deinen Fans auf diesem Wege sagen willst?
Ich möchte mich auf diesem Wege ganz herzlich für die Treue bedanken, die ihr Fans mir gegenüber aufbringt. Ich weiß das sehr zu schätzen, dass ihr immer da seid, mit einem mitzittert und mich anfeuert.